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Wofür gibt es die Steuerklassen?

Für den Lohnsteuerabzug werden Arbeitnehmer in verschiedene Steuerklassen eingereiht. Durch die Einordnung in Steuerklassen wird erreicht, dass die unterschiedlichen Einkommenstarife der Grund- und Splittingtabelle sowie die verschiedenen Frei- und Pauschbeträge in die Lohnsteuertabelle bereits eingearbeitet werden können, was den Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber wesentlich erleichtert. Der Arbeitgeber ist an die für den Arbeitnehmer gebildete Steuerklasse gebunden, selbst wenn sie falsch sein sollte. Er muss den Arbeitnehmer zur Änderung der Steuerklasse an das Finanzamt verweisen.

Alle Steuerklassen im Überblick

Wer gehört zur Steuerklasse I? Darunter fallen im Kalenderjahr 2015 Arbeitnehmer
  • die ledig oder geschieden sind;
  • die zwar verheiratet sind, aber von ihrem Ehegatten dauernd getrennt leben oder deren Ehegatte im Ausland lebt;
  • die verwitwet sind und der Ehegatte vor dem 1. 1. 2014 verstorben ist.

Auch bei nicht verheirateten Eltern von Kindern ist als Lohnsteuerabzugsmerkmal jeweils die Steuerklasse I zu bilden, da sie sich bewusst dazu entschieden haben, (noch) keine Ehe einzugehen.

Wer gehört zur Steuerklasse II?

Diese Steuerklasse gilt für die zu Steuerklasse I genannten Arbeitnehmer, wenn ihnen der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht. Die Steuerklasse I unterscheidet sich von der Steuerklasse II nur dadurch, dass in der Steuerklasse II der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende in Höhe von 1308 € jährlich eingearbeitet ist. Arbeitnehmer erhalten den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, wenn der alleinstehende Arbeitnehmer mit seinem Kind eine Haushaltsgemeinschaft in einer gemeinsamen Wohnung hat. Ein Anspruch auf die Bildung der Steuerklasse III haben auch verwitwete Alleinstehende mit Kindern nicht Die Steuerklasse II kommt bei beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern nicht in Betracht.

Wer gehört zur Steuerklasse III? Darunter fallen folgende Arbeitnehmer:
  • Verheiratete Arbeitnehmer, die von ihrem Ehegatten nicht dauernd getrennt leben, wenn der Ehegatte im Inland lebt (also unbeschränkt steuerpflichtig ist). Weitere Voraussetzung für die Einordnung in Steuerklasse III ist, dass der Ehegatte keinen Arbeitslohn bezieht oder für ihn die Steuerklasse V gebildet worden ist.
  • Verwitwete Arbeitnehmer, wenn der Ehegatte nach dem 31. 12. 2013 verstorben ist und wenn beide Ehegatten im Zeitpunkt des Todes im Inland gewohnt und nicht dauernd getrennt gelebt haben. Verwitwete erhalten also für das Jahr in dem der Ehegatte stirbt und für das folgende Jahr noch die Steuerklasse III.
Wer gehört zur Steuerklasse IV?

Diese Steuerklasse gilt für die zur Steuerklasse III genannten verheirateten Arbeitnehmer, wenn beide Ehegatten Arbeitslohn beziehen. Diese Ehegatten können wählen, ob sie beide die Steuerklasse IV haben wollen, oder die Steuerklassenkombination III/V. Die vorstehenden Ausführungen gelten entsprechend für Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Wer gehört zur Steuerklasse V?

Diese Steuerklasse tritt für einen Ehegatten an die Stelle der Steuerklasse IV, wenn der andere Ehegatte auf Antrag beider Ehegatten in die Steuerklasse III eingereiht wird. Die vorstehenden Ausführungen gelten entsprechend für Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Wer gehört zur Steuerklasse VI?

Steht ein Arbeitnehmer gleichzeitig in mehreren Dienstverhältnissen, so sollte der erste Arbeitgeber (dies ist der Arbeitgeber, von dem der Arbeitnehmer den höheren Lohn erhält) den Lohnsteuerabzug nach der Steuerklasse vornehmen, der seinem steuerlichen Familienstand entspricht. Der zweite und jeder weitere Arbeitgeber hat den Lohnsteuerabzug nach der Steuerklasse VI vorzunehmen.

Welche Steuerklasse bietet sich an, wenn mein Ehegatte auch Arbeitslohn bezieht?

Bezieht auch der Ehegatte Arbeitslohn, muss man wissen, dass Ehegatten grundsätzlich gemeinsam besteuert werden, weil das für sie günstiger ist. Beim Lohnsteuerabzug eines Arbeitnehmers kann aber nur dessen eigener Arbeitslohn zugrunde gelegt werden. Die Arbeitslöhne beider Ehegatten können erst nach Ablauf des Jahres zusammengeführt werden. Erst dann ergibt sich die zutreffende Jahressteuer. Es lässt sich deshalb oft nicht vermeiden, dass im Laufe des Kalenderjahres zu viel oder zu wenig Lohnsteuer einbehalten wird. Um dem Jahresergebnis möglichst nahe zu kommen, stehen den Ehegatten zwei Steuerklassenkombinationen und das Faktorverfahren.

Kann ein Ehepaar die Steuerklasse wechseln?

Für die Änderung der Steuerklasse ist seit 1.1.2011 das Finanzamt - und nicht mehr die Gemeinde - zuständig. Die Ehegatten konnten bis zum Beginn des neuen Jahres, also bis zum 31. Dezember 2014 die Steuerklasse IV in die Steuerklasse V beim einen und in die Steuerklasse III beim anderen Ehegatten oder umgekehrt, die Steuerklasse III und V in die Steuerklasse IV ändern lassen. Nach Beginn des neuen Kalenderjahres, also ab 1. Januar 2015 kann eine solche Änderung grundsätzlich nur noch einmal, und zwar vom Finanzamt bis spätestens 30. November 2015 vorgenommen werden. Auch die Wahl des Faktorverfahrens gilt als Steuerklassenwechsel. Eine Ausnahme von der Vorschrift, dass die Änderung der Steuerklassen nur einmal im Kalenderjahr möglich ist, besteht dann, wenn die Änderung der Steuerklassen deshalb beantragt wird, weil ein Ehegatte keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn mehr bezieht oder verstorben ist. Eine weitere Änderung der Steuerklassen ist auch zulässig, wenn sich die Ehegatten auf Dauer getrennt haben oder wenn nach einer Arbeitslosigkeit oder Elternzeit ein Arbeitsverhältnis wieder aufgenommen wird.

Was versteht man unter dem Faktorverfahren bei Ehegatten?

Ehegatten können für das Lohnsteuerabzugsverfahren zwischen den Steuerklassenkombinationen III/V und IV/IV wählen. Da der Lohnsteuerabzug in der Steuerklasse V oftmals als zu hoch empfunden wird und bei der alternativ in Betracht kommenden Steuerklassenkombination IV/IV das Familiennettoeinkommen wegen der unterschiedlichen Höhe der Arbeitslöhne sinkt, ist ein Verfahren eingeführt worden, mit dem letztlich die von beiden Ehegatten insgesamt zu zahlende Lohnsteuer gerechter verteilt werden soll. Dieses sog. „Faktorverfahren“ tritt alternativ zu den Steuerklassenkombinationen III/V und IV/IV hinzu. Es wird auf Antrag beider Ehegatten angewendet. Die Wahl des Faktorverfahrens durch beide Ehegatten gilt als Steuerklassenwechsel. Beim Faktorverfahren ermittelt das Finanzamt unter Berücksichtigung der im Einzelfall in Betracht kommenden Steuerermäßigungen die Einkommensteuer, die sich für die Ehegatten nach der Splittingtabelle ergeben würde. Diese Einkommensteuer wird ins Verhältnis zu der Lohnsteuer gesetzt, die sich als Summe der Lohnsteuer bei jeweiliger Anwendung der Steuerklasse IV bei den Ehegatten ergibt. Daraus wird ein Faktor ermittelt, der stets kleiner als eins ist. Der jeweilige Arbeitgeber ermittelt für den jeweiligen Ehegatten die Lohnsteuer nach der Steuerklasse IV und wendet anschließend darauf den Faktor („kleiner eins“) an. Dadurch ergibt sich als „Lohnsteuersumme“ bei beiden Ehegatten im Ergebnis die vom Finanzamt errechnete und den Verhältnisrechnungen zugrunde gelegte voraussichtliche Einkommensteuer. Die sich beim laufenden Arbeitslohn nach Anwendung des Faktorverfahrens ergebende Lohnsteuer ist - vorbehaltlich noch zu berücksichtigender Freibeträge für Kinder - auch Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Zuschlagsteuern (Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer). Die vorstehenden Ausführungen gelten entsprechend für Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Gelesen 4884 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Juni 2016
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